In Bamberg auf den Spuren von E.T.A. Hoffmann zu wandeln, ist ein Leichtes, dabei aber dem Künstler selbst und auch noch einigen seiner bekanntesten Figuren zu begegnen, das dürfte wohl nicht ganz so alltäglich sein. Genau zu einer solchen Begegnung kam es am vergangenen Maiensonntag bei schönem Wetter am Oberen Leintritt in Bamberg. Dort existieren seit dem Jahr 2008 bronzene Kanaldeckel, auf denen Figuren von E.T.A. Hoffmann zu sehen sind, wie beispielsweise Undine, Kater Murr, Olimpia, der Hund Berganza und viele mehr. An den von der Künstlerin Lore Götz angeregten „Kanaldeckelweg“ erinnerte die Vorsitzende des Bürgervereins St. Stephan, Cornelia Pfister, anlässlich seines 250. Jubiläums und kurzerhand nahm sich die Theatergruppe der Unterstufe des Themas an. Sie entwickelte eine Vielzahl von Szenen rund um E.T.A. Hoffmann selbst sowie seine Figuren, die da plötzlich zum Leben erwachten und über ihre Geschichten redeten, ihre Persönlichkeiten vorstellten und neidisch auf ihre Konkurrenten blickten. Ist es jetzt Kater Murr, der den Glanz des Hoffmann´schen Werkes einheimst, oder sind es doch der Hund Berganza, die Meereskatze, Undine, Nussknacker und Mäusekönig, Klein Zaches oder gar die Raben aus seinem Werk? Die Zuschauer konnten sich darüber im Verlauf eines einstündigen Spaziergangs entlang des angenehm schattigen Regnitz-Ufers ein Bild machen und am Ende auch verstehen, warum es letztlich vier ungewöhnlichen Künstler-Seelen waren, die Hoffmanns Geist verkörperten: der Jurist, der Musiker, der Karikaturist und der Literat. Auch wenn diese vier Geister sich darüber stritten, wer denn jetzt der wahre Hoffmann sei, war zuletzt allen klar – es gibt immer wieder etwas zu entdecken, wenn man auf Hoffmanns Spuren wandelt.
Text: A. Kießling
Fotos: T. Morcinek



