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Gymnasium Bamberg

Zwischen Wirklichkeit und Verantwortung

Wie verlässlich ist unsere Wahrnehmung, wenn Bilder täuschen, künstliche Intelligenz neue Wirklichkeiten erzeugt und Krisen einfache Antworten attraktiv machen?
Dieser Frage ging der Aktionstag „Zwischen Wirklichkeit und Verantwortung“ der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg nach. Referent:innen aus Hirnforschung, Psychologie, Komplexitätsforschung, digitalen Medien und Naturschutz näherten sich ihr aus unterschiedlichen Perspektiven und zeigten, was ihre Forschung für verantwortliches Handeln bedeuten kann.
Am Vormittag beschäftigten sich die 12. Jahrgangsstufe des E.T.A. mit den Themen des Tages. In Vorträgen und interaktiven Murmelgruppen reflektierten sie ihre Wahrnehmung und brachten eigene Ideen für eine lebenswerte Zukunft ein Mitmachstationen des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie luden dazu ein, Wahrnehmungstäuschungen unmittelbar zu erleben und die eigene Urteilssicherheit zu hinterfragen.
Im Anschluss an die Veranstaltung in Bamberg haben die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke auf Karteikarten festgehalten. Die Karten waren drei Leitfragen zugeordnet: „Was nehme ich mit?“, „Was braucht es?“ und „Was wünsche ich mir?“


Selbst aktiv werden und gemeinsam handeln
Das mit Abstand häufigste Motiv zieht sich durch alle drei Leitfragen: Veränderung beginnt beim Einzelnen, entfaltet ihre Wirkung aber erst im gemeinsamen Handeln. Viele Schülerinnen und Schüler betonen, dass man nicht auf andere warten dürfe, und verbinden dies mit Begriffen wie Mut, Motivation und Engagement.
„Man kann nicht auf andere Menschen warten, damit diese den ersten Schritt machen, man muss selbst aktiv werden.“
„Vier Hände sind mehr als zwei.“
„Jede kleine Tat des Einzelnen kann im Gesamtbild Großes bewirken.“


Wahrnehmung ist subjektiv und beeinflussbar
Die Impulse zu Wahrnehmung und Gehirn sind bei den Jugendlichen besonders hängen geblieben. Sie leiten daraus ab, Informationen kritisch zu hinterfragen, auf deren Herkunft zu achten und sich nicht vorschnell eine Meinung zu bilden.
„Wahrnehmung kann manipuliert werden und hängt immer vom Kontext ab.“
„Gelernt habe ich, kritisch zu bleiben und manchmal zwei- oder gar dreimal hinzuschauen, bevor man urteilt oder sich einer Meinung anschließt.“


Zusammenhalt, Dialog und das Verlassen der eigenen Bubble
Zahlreiche Karten fordern Offenheit, Zuhören und das Gespräch mit Menschen, mit denen man sonst nicht spricht – im privaten Umfeld ebenso wie in der Politik. Der Wunsch nach einer respektvollen und produktiven Debattenkultur ist deutlich spürbar.
„Ich nehme mit, dass man, um aus seiner Bubble herauszukommen, sich mit Leuten unterhalten muss.“
„Weniger ‚anti‘, mehr miteinander.“
„Unwissenheit ist keine Schande, doch starre Denkweisen fordern Opfer.“


Mehr Aufklärung zum Klimawandel – motivierend statt angstbesetzt
Die Schülerinnen und Schüler wünschen sich mehr und bessere Information zum Klimawandel und seinen Folgen: in der Schule, in den sozialen Medien und ausdrücklich auch für ältere Generationen, gern in kurzen, gut zugänglichen Formaten. Mehrere Karten zeigen, dass die im Vortrag genannten Fakten für die Jugendlichen neu waren. Zugleich wird angeregt, Menschen eher zu motivieren als mit Angst zum Handeln zu bewegen.
„Ich wusste nicht, dass ein Hitzetag so viel kostet und so viele Menschen allein wegen der Hitze gestorben sind dieses Jahr.“
„Mehr Fokus darauf, Leute zum Klimaschutz zu motivieren, und nicht mit Angst und Not Menschen zum Handeln bringen wollen.“
„Mehr Infovorträge, weil eigentlich niemand zu Hause selbstständig recherchiert.“


Demokratie, sachliche Politik und Abgrenzung nach rechts
Viele Karten verlangen eine konstruktivere, faktenbasierte und kompromissbereite Politik. Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern nennt dabei ausdrücklich Rechtsextremismus und wünscht sich mehr Aufklärung und Prävention.
„Menschenrechte statt rechter Menschen.“
„Ich wünsche mir wieder konstruktivere und sachlichere Politik und Politiker, die ergebnisorientiert arbeiten.“


Konkrete Forderungen
Ein kleinerer Teil der Karten benennt konkrete Maßnahmen, darunter das Wahlrecht ab 16, ein Tempolimit auf Autobahnen, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, ein Verbot von Inlandsflügen, bezahlbare Energiepreise, kostenfreie Beteiligungsprogramme sowie weniger KI in Werbung und Präsentationen.


Fazit
Die Jugendlichen haben sowohl die inhaltlichen Impulse zu Klimawandel und Wahrnehmung als auch den Aufruf zum eigenen Engagement aufgenommen. Besonders deutlich ist der Wunsch nach mehr Aufklärung, nach Zusammenhalt und nach Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden.
Bml