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Gymnasium Bamberg

Nachtrag: Auf in die Hauptstadt

Auf nach Berlin! (Juli 2026)

Nach einer zügigen Fahrt mit zwei Bussen der Firma Spörlein erwartete die knapp 100 Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe der erste selbstgewählte Programmpunkt vor Ort. Diese hatten nämlich im Vorfeld je nach Interesse eine persönliche Auswahl zwischen verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen treffen können. Während manche also die Gedenkstätte zum Mauerbau an der Bernauer Straße besuchten und vor allem durch die Bilder im Fenster des Gedenkens und das Schicksal der auf der Flucht getöteten Männer, Frauen und Kinder berührt wurden, informierten sich andere im Dokumentationszentrum Topografie des Terrors über die Grausamkeiten von SS und Polizei im „Dritten Reich“.

Danach folgten Zimmervergabe und Abendessen, bevor alle gemeinsam zum Brandenburger Tor aufbrachen, wo ausgiebig fotografiert wurde. Gegen 22.00 Uhr trafen sich alle auf den Freitreppen beim Friedrich-Ebert-Platz, um die Filmprojektion an der Fassade des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses mit dem Titel „Menschen und Parlament – Lebendige Demokratie in Deutschland“ zu sehen. Die ca. 40 minütige Installation bot nicht nur sehr viele Informationen und kompakte Hintergründe, sondern betonte die Werte der Demokatie und appellierte an die Mitverantwortung jedes Einzelnen. Von dieser Kulisse (Projektionsfläche über 300m, Blick auf das Spreeufer) beeindruckt ging es mit der S-Bahn zurück in die Unterkunft.

Am zweiten Tag (Mittwoch 15.07) brachen wir nach einem leckeren Frühstück in unserer Unterkunft wieder zu unterschiedlichen Zielen in der Stadt auf.

Unsere Busfahrer brachten eine Gruppe zum Bundesrat, die andere zum „Futurium“. Meine Gruppe besuchte den Bundesrat, die Vertretung der Bundesländer in Berlin. Nachdem wir dort eine strenge Sicherheitskontrolle hinter uns hatten, erhielten wir eine kurze Vorstellung über das Gebäude und die Aufgaben des Bundesrats. Später wurden alle Schüler einem Bundesland zugeteilt und konnten in einem Planspiel die Gesetzgebung selber erfahren. Wir debattierten über einen von uns gewählten Gesetzesentwurf und stimmten anschließend darüber ab. Dabei gelang es einigen Rednern, geschickt typische Klischees über die Bundesländer in ihre Stellungnahmen einzubauen und dabei überzeugende und kontroverse Argumente für und gegen ein Wahlrecht ab 16 Jahren zu nennen. Am Ende konnten wir uns auf einen Kompromiss einigen, mit dem wir alle zufrieden waren. Obwohl wir leider nicht den Sitzungssaal besuchen konnten, gingen wir dennoch mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen in die Mittagspause, in der wir die Stadt auf eigene Faust erkunden konnten.

Am Nachmittag folgten wieder zwei Programmpunkte in unterschiedlichen Gruppen: Bei einer Stadtrundfahrt konnten ein Teil von uns bekannte Sehenswürdigkeiten Berlins, etwa die Siegessäule oder das Schloss Bellevue vom Bus aus erleben und unterwegs noch einige Prominente treffen.

Für die anderen ging es zum ehemaligen Flughafen „Tempelhof“. Bei gelungenen und interessant gestalteten Führungen über einen Teil des Geländes - der ganze Flughafen wäre aufgrund der riesigen Ausmaße nicht in der kurzen Zeit zu schaffen gewesen - erfuhren wir einiges über die Geschichte des ikonischen Bauwerks. Diese reicht vom Baubeginn unter den Nationalsozialisten über die Berliner Luftbrücke bis zur Schließung 2008. Für viele von uns schien es unmöglich, wie einst die gesamte Versorgung Westberlins über diesen Flughafen, der in seiner Gestaltung und Größe einschüchternd wirkt, gelenkt werden konnte.

Kurz vor 9:00 Uhr erreichten wir alle den Bundestag. Dort wurden wir für die Sicherheitskontrolle zunächst in zwei Gruppen eingeteilt. Danach ging es durch eine Schleuse, über den Aufzug hinauf zur Kuppel. Dort erhielten wir Audioguides, mit denen wir die Kuppel eigenständig besichtigen konnten. Dabei erfuhren wir unter anderem, dass die Spiegel in der Kuppel dafür da sind, das Tageslicht in den Plenarsaal zu lenken, wodurch der Stromverbrauch für die Beleuchtung deutlich reduziert wird. Außerdem lernten wir viele interessante Fakten über das Brandenburger Tor und weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung kennen, die von dort ober hervorragend zu sehen waren.

Um 10:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Bayerischen Vertretung, wo um 11:00 Uhr eine Führung begann. Herr Ott hielt einen informativen Vortrag über die Bayerische Vertretung und ihre Aufgaben. Anschließend verabschiedete er uns im offiziellen Veranstaltungssaal.
Nach einer kurzen Toilettenpause und einer Rücksprache mit den Lehrkräften hatten wir ab etwa 12:00 Uhr Freizeit.

Um 13:30 Uhr stand der Besuch des Bundesnachrichtendienstes auf dem Programm. Auch dort mussten wir zunächst eine strenge Sicherheitskontrolle durchlaufen und wurden über die geltenden Regeln informiert. Anschließend erhielten wir einen einstündigen Vortrag von „Sandra“, einer Mitarbeiterin des BND. Sie erklärte uns die Aufgaben des Bundesnachrichtendienstes sowie dessen verschiedene Arbeitsbereiche.
Im Anschluss hatten wir Zeit, den Ausstellungsraum selbstständig zu erkunden. Dort konnten wir nicht nur zahlreiche Ausstellungsstücke besichtigen, sondern auch verschiedene interaktive Stationen ausprobieren. Wer die Ausstellung bereits vollständig angesehen hatte, konnte sich im Aufenthaltsraum bei einem Glas Wasser ausruhen.

Gegen 16:00 Uhr fuhren wir mit dem Bus zurück zum Hotel. Während der Fahrt informierte uns Frau Günthner noch über den Ablauf des Abendprogramms. Hier waren nämlich wieder mehrere Veranstaltungen möglich, die auch unterschiedliche Anfangszeiten hatten, sodass sich manche

Schülerinnen und Schüler entsprechend beeilen mussten. Ein Teil sah im Admiralspalast Six, die geniale Verschmelzung von Musical, Popkonzert und Geschichte, ein anderer Teil besuchte „Cabaret-das Berlin Musical“ im Tipi am Kanzleramt und die dritte Gruppe erfuhr bei einer Führung im Naturkundemuseum einige Details und hatte die Dinosaurierskelette ganz für sich allein. (Emma Lesch 11a)

Der letzte Programmpunkt der Berlinfahrt war wieder besonders beeindruckend – um nicht zu sagen beklemmend, denn es stand der Besuch in dem Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen an. Jeweils im Klassenverband wurden die ETAler durch den Gebäudekomplex geführt und waren von den Abläufen und Verhörmethoden schockiert. Die verschiedenen Zellen – auch für den Freigang, zeigten das Ausmaß der körperlichen Belastung durch Enge, Dunkelheit oder Feuchtigkeit/ Nässe, das den psychischen Druck noch verstärkte.

Text: Emma Lesch und Luis Händler

Fotos: Bettina Kaiser, Anja Günthner