Sie wollten so richtig feiern, die Abiturientinnen und Abiturienten des diesjährigen Abschlussjahrgangs. Hatten sie doch in den letzten Wochen und Monaten wirklich hart gearbeitet um ihr Abitur erfolgreich bestehen zu können. Eine besondere Bedeutung bekam dieser Jahrgang zusätzlich durch die Tatsache, dass es der erste Jahrgang des nach Bayern zurpückgekehrten G9-Gymnasiums war. Hierfür hatte sich einiges an den Regularien und Prüfungsformaten geändert, was die Unischerheit im Vorfeld vergrößerte. Im Fach Deutsch wurde die Zahl der Themenblöcke reduziert, die Zahl der Schreibformate aber ausgeweitet. In Mathematik mussten die Prüflinge mehr Selbständigkeit bei der Auswahl der Aufgaben und dem Zeitpunkt zum Arbeiten mit Hilfsmitteln beweisen. Das alles hatte der Jahrgang souverän hinter sich gelassen, auch wenn ein paar Schülerinnen und Schüler nach den Pfürungen noch einmal antreten mussten, um dann wirklich ihr Abitur zu bestehen. Am Ende konnte der gesamte Jahrgang aufatmen.
Ihre Verabschiedung hatten sie unter das Motto „Bacabi – 13 Jahre Rum“ gestellt und die Feierlichkeiten engagiert vorbereitet. So kam es auch, dass in diesem Jahr die Abiturzeitung bereits 2 Wochen vor der Abschlussfeier fertig gestellt war. Am Tag vor dem geplanten Abischerz trafen sich alle auf dem Schulgelände, um die Bühne und die sorgfältig gefertigte Dekoration aufzubauen. Da allerdings ein Gewitter gemeldet war, entschieden sich die Abiturienten, am nächsten Tag schon um 5 Uhr früh im Pausenhof aufzubauen. Spiele mit den Lehrkräften waren geplant, Bratwürste und Getränke eingekauft – und dann das: Pünktlich zu Beginn des Schultags begann es derartig zu gewittern und aus allen Eimern zu schütten, dass an einen traditionellen Abischerz im Schulhof nicht zu denken war. Da keinerlei Ersatztermin möglich war, musste sich der Abijahrgang damit begnügen, in einer Polonaise singend durch die Klassenzimmer zu ziehen.
Die offizielle Abiturverabschiedung war dann ein paar Tage später bei völlig anderen wettertechnischen Voraussetzungen angesetzt, fand sie doch am Höhepunkt der ungewöhnlichen Juni-Hitzewelle bei ungefähr 38 Grad Celsius statt. Da war es eine weise Voraussicht, dass als Ort der Zeugnisübergabe die Kirche St. Stephan ausgewählt worden war, die die Hitze wenigsten ein bisschen linderte.
Begonnen wurde mit einem Gottesdienst, in dem sich die Anwesenden der „Bacabi“-Insel an einem schönen Strand wiederfanden und sich auf die Schatzsuche begaben. Was sind denn die Schätze, die wirklich wichtig sind? Die Abiturientin Emma Sartoris wies in ihrer Predigt auf das Matthäusevangelium hin, in dem Jesus sagt:“Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ Sie kommt daher zu dem Schluss, dass es nicht die Zahlen auf dem Zeugnis, nicht die Noten sind, die wertvoll sind, sondern Begegnungen, Freundschaften, Erfahrungen und Erinnerungen. Sie hoffte, dass diese Dinge die Schätze sind, die alle Abiturienten und Abiturientinnen in diesen Jahren am E.T.A. wirklich gewonnen haben. Es ist eine schöne Tradition, dass am E.T.A. die Verabschiedung mit einer gemeinsamen Besinnung begonnen wird, und dieses Angebot wurde auch dieses Jahr wieder bemerkenswert zahlreich in Anspruch genommen.
Der offizielle Teil, der vom Saxophon-Quartett um Roland Berthold stimmungsvoll und auf höchstem Niveau begleitet wurde (auch ein Abiturient hatte hier noch eineN zusätzlichen Einsatz), begann mit den Grußworten. Zunächst begrüßte der Oberstufenkoordinator, Herr Landgraf, alle Anwesenden. Auch er wies auf die hundertprozentige Erfolgsquote des Jahrgangs (im Vergleich zum nur 40%-igen Bacardi-Rum) hin und schloss Dankesworte an, unter anderem an die Verwaltung, die Lehrkräfte und an die engagierten Schülerinnen und Schüler, die sich um die Feierlichkeiten gekümmert hatten. Herr Landgraf beendete mit einem ehrlichen Statement seine Begrüßung: „Schade, dass ihr schon gehen müsst!“
Auch die Vorsitzende des Elternbeirats richtete ein Grußwort an alle, bezog sich dabei jedoch schwerpunktmäßig auf die Eltern, die an einem derartigen Tag an die noch gar nicht so weit vergangen scheinende Einschulung ihrer Kinder dächten. Dabei würde ihnen klar, dass Loslassen manchmal schwerer als Festhalten sei. Gleichzeitig seien die Eltern aber stolz auf ihre Kinder, „auf die Menschen, zu denen ihr geworden seid.“ Das Abitur sei ein Beweis der Durchhaltefähigkeit der jungen Erwachsenen. Und sie richtete eine Botschaft an den Abijahrgang, nämlich dass diese jetzt noch nicht wissen müssten, wo sie in 10 Jahren stehen werden – sie sollten aber die Neugier der Erstklässler, die sie waren, beibehalten.
Für den Freundeskreis sprach Dr. Michael Grimm, der dem Abijahrgang ebenfalls zu seinem Fleiß, seine Nerven und für sein zähes „Dranbleiben“ gratulierte. Er warnte sie vor einer „Phase der Depression“, die nun – nachdem dieses große Ziel geschafft sei – einsetzen könne, doch er ermunterte die Abiturienten, dem Ernst des Lebens mutig entgegenzutreten, Fehler zu machen und zu diesen Fehlern zu stehen. Dabei sollten sie aber nicht vergessen, sich an ihre Wurzeln, die Familie, die Schule und die Menschen, die ihnen wichtig waren, zu erinnern.
Dann ging das Wort an die Jahrgangsstufensprecher/innen Emma Sartoris, Emma Müller, Leon Horcher und Sebastian Losgar für die traditionelle Abiturrede.
In ihrer Rede blickten die Abiturientinnen und Abiturienten auf ihre neunjährige „Testphase“ am E.T.A. zurück. Mit einer durchgehenden digitalen Metaphorik zeichneten sie den Weg von den ersten Tagen als Fünftklässler im Jahr 2017 bis zum erfolgreichen Abitur nach. Dabei nahmen sie die Herausforderungen des neuen G9-Lehrplans, anfängliche technische Stolpersteine und die räumlichen Engpässe des Schulgebäudes mit einem Augenzwinkern aufs Korn. „Der Start und auch die weiteren Systemdurchläufe liefen alles andere als flüssig, immer wieder tauchten ‚Error‘-Meldungen auf“, so die Jahrgangsstufensprecher, wobei sie die gelegentliche Kritik an den Rahmenbedingungen stets in eine liebevolle Analyse einbetteten. Selbst die Zeit der Pandemie, die sie als „Computervirus“ bezeichneten, wurde reflektiert: Trotz der Schwierigkeiten mit virtuellem Unterricht habe diese Phase die Selbstständigkeit und die organisatorischen Fähigkeiten des Jahrgangs maßgeblich geschult.
Abseits der technischen „Systemprobleme“ betonten die Absolventinnen und Absolventen jedoch vor allem die positiven Erfahrungen, die ihre Zeit am E.T.A. so besonders gemacht haben. Sie würdigten die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen – wie Konzerte, Theateraufführungen und den legendären „Schneeball“ – als entscheidende Meilensteine des Erwachsenwerdens. Einen besonderen Stellenwert nahmen dabei die Erasmus-Austauschprogramme ein, die ihnen neue Horizonte eröffneten. All diese Erlebnisse hätten dazu beigetragen, dass die Schule für sie weit mehr sei als nur ein Lernort: „Diese Schule ist nicht nur ein Bildungsbunker, sondern eine große Familie“, resümierten sie dankbar. Sie hoben hervor, wie sehr sie durch die gelebte Gemeinschaft in verschiedenen schulischen Gremien wie der SMV oder dem UNESCO-Parlament persönlich gewachsen seien.
Zum Ende ihrer „Datenauswertung“ fiel das Fazit der Testpersonen absolut positiv aus. In einer Danksagung würdigten sie das Engagement der Lehrkräfte, die Unterstützung durch die Schulleitung sowie die unverzichtbare Arbeit des Sekretariats. Mit einem charmanten Hinweis auf ihre künftige Rolle als „Ehemalige“ schlossen sie die Rede: „Unser Arbeitsspeicher wurde aus dem System entfernt, aber über das Internet sind wir nach wie vor mit dem Netzwerk E.T.A. verbunden.“ Mit dem humorvollen Ausblick, dass man sich vielleicht bald schon als Gast oder gar als Lehrkraft wiedersehen werde, verabschiedeten sie sich endgültig aus dem Schulalltag. Der Abschluss ihrer Rede blieb dabei ein stolzes Signal: „Die Testphase 2017-G9 ist hiermit erfolgreich beendet!“
Im Anschluss ergriff der Schulleiter Markus Knebel das Wort. Er verglich die Schuljahre des Abijahrgangs dabei – ganz gemäß dem Abi-Motto „Bacabi – 13 Jahre Rum“ mit einem vielschichtigen „Cocktail“: Neben den süßen Momenten – seien es glückliche Noten oder gemeinsame Klassenfahrten – gab es die starken, manchmal herausfordernden Zutaten wie Klausuren, Referate und den täglichen Wecker. Besonders hervorgehoben wurde der außergewöhnliche Zusammenhalt innerhalb des Jahrgangs, der sich in der gegenseitigen Unterstützung während der Prüfungsphasen und einem bemerkenswerten Engagement in der Schulfamilie zeigte. Mit einem hervorragenden Gesamtschnitt von 2,0 und einer Bestehensquote von 100 % verabschiedet sich ein Jahrgang, der nicht nur fachlich überzeugte, sondern auch durch seine menschliche Reife glänzte. Ein herzlicher Dank galt dabei den Lehrkräften für ihre Geduld und den Eltern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, auch in Zeiten notwendiger schulischer Entscheidungen. Einen kleinen Seitenhieb auf die momentan oft kolportierte Ansicht, den heutigen Abiturienten werde das Abitur „nachgeworfen“ konnte sich Herr Knebel nicht verkneifen, denn das sei überhaupt nicht der Fall und schon gar nicht bei diesem, dem ersten G9-Jahrgang. Zur Untermauerung dieser These lud er alle Kritiker ein, einmal ein Deutsch- oder Mathematik-Abitur an der Schule unter Realbedingungen schriftlich zu bearbeiten.
Dann kam Herr Knebel auf die Cocktail-Metapher zurück: Mit einem Augenzwinkern interpretierte er die mit einem derartigen Getränk verbundenen Assoziationen – Freiheit, Kreativität und Genuss – als treffende Begleiter der Schullaufbahn, nutzte das Wortspiel jedoch zugleich für einen ernsten Appell. Er warnte humorvoll vor dem „kalten Entzug“, der nach dem Verlassen der täglichen, vertrauten Schulroutine nun anstehe. Er betonte, dass mit dem Ende dieses Kapitels die Freiheit beginne, den eigenen Lebensweg selbstbestimmt zu gestalten. Dennoch, so der Schulleiter, sei diese Wahl eine Herausforderung: „Was ist richtig, was ist falsch? Was wird mir in 20, 30 oder 40 Jahren noch Freude machen? Kann man das überhaupt im Jahr 2026 schon absehen?“ Diese Ungewissheit gehöre zum Erwachsenwerden dazu.
Abschließend gab der Schulleiter den jungen Erwachsenen eine klare Botschaft für die Zukunft mit auf den Weg. Er forderte sie dazu auf, angesichts digitaler Möglichkeiten und KI nicht den eigenen Kopf auszuschalten, sondern Informationen stets kritisch zu hinterfragen. Anhand des ironischen Beispiels von Werbeversprechen für Spirituosen verdeutlichte er die Gefahr, Informationen ungeprüft zu akzeptieren, und riet: „Glaubt nicht alles, was man Euch auftischt. Vertraut nicht auf Scharlatane. Macht Euch ein eigenes Bild, verwendet dazu nicht nur KI, sondern Euren eigenen Kopf und Eure eigenen Sinne.“ Mit der Aufforderung, neugierig und offen zu bleiben sowie die eigenen Ideen leidenschaftlich in die Welt einzubringen, schloss er seine Rede. Er gab den Abiturientinnen und Abiturienten den Wunsch mit, dass sie ihr kritisches Denken bewahren – nicht nur bei der Analyse des Kleingedruckten auf Flaschenetiketten, sondern vor allem bei den gesellschaftlichen und politischen Fragen der Zukunft.
Mit einem „Macht´s gut und vergesst Euer E.T.A. nicht!“ schloss er seine Rede, woraufhin der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung folgte: Die Verleihung der Abiturzeugnisse. Hierbei durfte jeder und jede zu einer selbstgewählten Musik und unter dem tosenden Applaus der Anwesenden nach vorne schreiten und von Herrn Landgraf und Herrn Knebel das Abiturzeugnis entgegen nehmen.
Nun begann der informelle Teil der Veranstaltung, das gemütliche Beisammensein bei tropischen Temperaturen im Schulhof. Bei kühlen Getränken und Burgern aus dem Foodtruck bedankte sich der Jahrgang noch bei einigen Lehrkräften explizit, bevor sie dann gegen 21 Uhr aufbrachen, um einen langen Tag der Feierlichkeiten mit einer Party auf der Altenburg ausklingen zu lassen.
M.Stübinger
Fotos: A. Homuth, M. Stübinger



